Wispertalsteig

|

Das Wispertal ist ein, zumindest für deutsche Verhältnisse, dünn besiedeltes Gebiet im Taunus, genauer im Hintertaunus. Es gilt als wild und still. Also eine Region ganz nach unserem Geschmack. 

Innerhalb der Region sind im laufe der letzten Jahre einige Wanderwege entstanden, die als "Wispertrails" vermarktet werden.

Unser erster Ausflug in die Gegend führte uns zum Wispertalsteig, dem Trail, der die Entwicklung der Wisper-Trails angeführt hat. Als wir am Parkplatz in Espenschied ankamen, war es dort schon voll. Wir parkten also am Wegesrand und überlegten einen Moment, ob wir nicht besser doch einen anderen Ort zum wandern finden sollten. Wegen des Corona Virus versuchen wir immernoch, die meiste Zeit möglichst viel Abstand zu anderen Leuten zu halten.

Andererseits sollte es an den meisten Stellen möglich sein, auszuweichen, und die Hotspots konnten wir immernoch umgehen.

Der Trail beginnt am Ortsrand von Espenschied und führt zunächst einmal über weite Felder, und sogar über eine Kuhweide. Zwischen den Kühen fühlte sich die Wanderung für uns sofort wie ein Kurzurlaub nach Österreich an.

Kurz darauf beginnt der Weg ins Tal zu führen, und abgehend von einem breiteren Forstweg wanderten wir nun auf einem sehr schmaleren, schlammigen Trampelpfad zur ersten Attraktion, dem "Saurierfelsen". Dort war allerdings schon eine ganze Gruppe am picknicken, so dass wir uns nur aus ein paar Meter Entfernung einen Blick ins Tal gönnten. Dann ging es weiter Richtung Tal, wo auch schon die nächste kleine Sehenswürdigkeit auf uns wartete. Der "Werkerbrunnen" ist eine alte, eisenhaltige Quelle die schon seit hunderten von Jahren genutzt wird. Wir konnten uns aber mehr noch als über die Quelle für die Einfassungsmauer aus altem Mauerwerk und die Treppenstufen begeistern, die von Moos und Farnen überwachsen sind, und wirklich schön aussehen.

Direkt hinter dem Brunnen folgt der vermutlich steilste Anstieg des Trails. Hier kamen wir sogar ein bisschen ins schwitzen. Nach etwa 230 Höhenmeter Aufstieg ist man aber auch schon wieder auf dem Plateau und es öffneten sich wieder weite Blicke über die umliegenden Felder und Waldgebiete.

Im Anschluss geht es dann ersteinmal zurück in Richtung Espenschied. An einer Kreuzung, die auch fast auf der Hälfte der Wegstrecke liegt, können Leute, die genug haben, auch zurück ins Dorf wandern. Wir folgten aber weiter dem Feldweg in Richtung Mehrholzblick. Der ist aus unserer Sicht auch das absolute Highlight des Wispertalsteigs. Der Ausblick ist wirklich wunderschön, und am Nachmittag scheint genau die Sonne auf die Felsen, so dass es sich perfekt für eine längere Pause und ein Picnic eignet. Da auch hier schon einige Menschen saßen gingen wir noch ein paar Meter weiter und suchten uns einen eigenen Felsvorsprung.

Jetzt hatten auch wir Hunger und packten unseren mitgebrachten Gaskocher und die Fertignudeln aus und kochten unser Mittagessen, während wir den tollen Ausblick genossen. Es war so schön dort in der Sonne, dass wir am liebsten gar nicht mehr aufgestanden wären, aber nach etwa einer halben Stunde packten wir dann doch zusammen und machten uns wieder auf den Weg.

Das letzte Wegstück führt zunächst noch einmal hinunter ins Tal. Dort kamen wir an ein paar sehr überwuchterte Treppen- und Mauerreste. Beim vorbeigehen fragten wir uns, was das wohl mal gewesen war. Und natürlich haben es später nachgelesen: hier im "Katzenrod" ist wohl im Dritten Reich ein "Reicharbeitslager" gewesen, auch wenn heute nur noch wenig davon zu sehen ist. Die auffälligste noch sichtbare Teil ist ein großes steinernes Tor mit den Buchstaben "RAD" kurz hinter der Laukenmühle.

Von dort sind es nur noch wenige Kilometer zu gehen. Die führen nun natürlich wieder steil nach oben, zum Teil sehr idyllisch an einem kleinen Bach entlang. Dann waren wir auch schon wieder oben auf dem Plateau angekommen und erreichten nach kurzer Zeit Espenschied.