VitalTour "Geheimnisvoller Lemberg"

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Ein wunderbar vielseitiger Weg rund um den Lemberg - den "König der Naheberge". Durch ein Bachtal, entlang steil abbrechender Felskanten mit tollen Fernblicken und vorbei an den Lemberggeistern führt der etwa 14km lange Weg und zeigt dabei die Vielseitigkeit der hiesigen Landschaft auf.

Auf der Suche nach einer letzten Wanderung in der Naheregion stießen wir auf die Wegbeschreibung der "VitalTour Geheimnisvoller Lemberg" und waren gleich angetan. Wir starteten am Parkplatz "Besucherbergwerk Schmittenstollen", weil das Wetter eher wechselhaft aussah und man hier im Fall eines kompletten Umschwungs den Trail sehr gut in der Hälfte hätte abbrechen können, und via Abkürzung vorbei am Besucherbergwerk schnell wieder am Auto wöre. Der Trail kann aber genauso von verschiedenen anderen Parkplätzen und Wanderportalen angegangen werden.

Der erste Abschnitt ware eher nicht so spektakulär und führte auf einem breiten Forstweg erst in Richtung eines Friedwalds, wechselte dann zum Teil auf schmalere Pfade zum "Waldgasthof Lembergblick". Auch wenn es hier noch nichts besonderes zu sehen gab war der Wald, der sich langsam in Herbstlaub schmückt, trotzdem wunderschön. Hinter dem Waldgasthof wurde aber auch die Wegeführung spannender. Von hier an ging es erstmal auf schmaleren Pfaden hinunter in die Trombachklamm. Für unseren Vorstellung einer "Klamm" war der Name allerdings ein wenig irreführend. Wir hatten uns ein schmal eingeschnittenes Tal mit einem wilden Bächlein vorgestellt, tatsächlich ist das Bachtal aber doch eher weit geschnitten. Vielleicht lag der Eindruck aber auch dran, dass der Trombach gerade sehr wenig Wasser führt und deshalb eher zahm als wild wirkte.

Weil das Wetter auch nicht so richtig mitspielen wollte und die Sonne sich in dunkle Wolken gehüllt hatte, war es bei unserem Besuch leider eher trist und vielleicht sogar ein bisschen trostlost. Ganz unglücklich waren wir deshalb nicht, als der Weg den Trombach überquerte und sich dann vom Bachlauf löste, um wieder langsam bergauf zu steigen, in weniger dichte Waldgebiete.

Die Lemberg-Geister

Unser Weg führte nun in Richtung des Besucherbergwerks Schmitten, das etwa in der Mitte unserer Wanderung lag. Entlang der Strecke begegneten wir nun den "Lemberg-Geistern" - eine ganze Reihe von (zum Teil auch etwas gruseligen) Gesichtern, die in die Bäume am Wegrand geschnitzt sind. Wir hatten tatsächlich viel Spaß damit, nach den nächsten Kreaturen ausschau zu halten, und der Weg ist so sicher ein tolles Highlight, wenn man mit Kindern unterwegs ist.

Weil wir uns aber auch sorgen um die Bäume machten haben auch nochmal nachgelesen: Die Schnitzereien werden vorsichtig mit viel Handwerkskunst angefertigt und sich so angelegt, dass der Baum trotzdem in sich intakt bleibt. Wer möchte kann selbst einen "Geist" sponsern, und dann auch mitentscheiden wie das entsprechende Gesicht aussehen soll.

Besucherbergwerk Schmittenstollen

Die Lemberg-Geister begleiteten uns bis zum Besucherbergwerk Schmittenstollen, einer früheren Quecksilber-Mine. Sie ist für Besucher geöffnet und kann mit einer Führung erkundet werden. Leider geht das aber nicht spontan, sondern muss (zumindest aktuell wegen Corona) im voraus gebucht werden. Wir ließen die Mine deshalb außen vor und wanderten stattdessen weiter, gespannt auf den nächsten Aussichtspunkt, der mit dem Namen "schönste Aussicht" bezeichnet ist und entsprechend hohe Erwartungen weckte.

Der "Schönste Naheblick"

Tatsächlich gelangten wir nun auf den, nach unserer Sicht, schönsten Teil der Wanderung. Der Pfad wurde zunehmen schmaler und führte aus den weniger steilen Waldbereichen nun zu den steileren Abhängen am Nahetal. Für nicht ganz schwindelfreie Menschen ist dieser Abschnitt des Trails an manchen Stellen sicher eine kleine Herausforderung.

An der ausgesetztesten Stelle ist eine kleine Bank in eine Nische der Felswand gesetzt - und auf der Abhangseite steht ein Schild mit der Aufschrift "Schönste Aussicht". Und tatsächlich öffnet sich hier ein wunderschöner Blick über das Nahetal. Besonderes Highlight waren für uns auch die mittlerweile schon bunten Wälder auf unserer Seite der Nahe, die einen wunderschönen rostroten Rahmen um das Panorama bildeten.

Hier gönnten wir uns eine kurze Pause, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Der Pfad führt nach ein paar hundert Metern wieder in den Wald hinein und stößt dort auf einen Zickzackpfad, der nach unten in Richtung Oberhausen führt, nach oben als Teil der VitalTour zum Lemberghaus. Nach ein paar Serpentinen geht ein weitere Pfad ab und führt an verschiedenen Bergbaurelikten entlang zu einem früheren Steinbruchgelände. An exponierter Stelle mit wunderschönem Fernblick findet sich hier sogar ein kleines Gipfelkreuz. Dann führt der Weg weiter über eine Art Schutthalde und felsigen Untergrund bevor er wieder im Wald verschwindet. 

Der Weg windet sich nun einmal an der Seite des Lemberg entlang, hier wieder deutlich breiter als auf der Nahe-Seite. Entlang des Weges finden sich immer wieder kunstvoll geschnitzte Holzbänke - die Liebesbank mit herzförmiger Rückenlehne, oder die Bank in Form des schlafenden Riesen, nach einer lokalen Sage. Dazwischen tolle Blicke ins Hagenbachtal.

Der Silbersee

Auf einmal endet der Pfad auf einer weiten Lichtung. Hier wurden früher die Felsbrocken aus dem Steinbruch abtransportiert. Von dort geht die Tour auf einer alten, verwitterten Asphaltstraße weiter. Nach wenigen Metern zweigt rechts ein schmaler Pfad zum Silbersee ab.

Der See ist kein natürlicher See, sondern im Rahmen von Sprengungen in den Steinbrüchen entstanden. Heute gehört er zum Naturschutzgebiet Lemberg, deshalb ist auch Baden dort verboten. Stattdessen bietet sich der Uferbereich des Sees aber für ein Picnic an - wenn es nicht gerade regnet, wie bei unserem Besuch. Wir warfen deshalb nur einen kurzen Blick auf den See und gingen dann weiter.

Zurück auf der Tour folgen wir dem alten Asphaltweg fast bis zur Lemberghütte, einem Waldgasthaus mit großem Sitzbereich draußen. Der war leider beim nieseligen Wetter nicht ganz so attraktiv, so dass wir uns stattdessen im Innenraum mit einem Kaffee und einem Stück Kuchen aufwärmten.

Vielleicht interessant für Menschen mit Höhenangst, die sich den schmalen Pfad entlang der Felsen auf der VitalTour nicht zutrauen: Man kann den Abschnitt umgehen. Und wenn man sich dennoch den "schönsten Naheblick" sehen möchte, so gibt es an der Lemberghütte eine Aussichtsplattform, die sich im Endeffekt ziemlich genau über dem "schönsten Naheblick" der VitalTour befindet - nur eben ein paar Meter höher.

Nach der Lemberghütte ist es nicht mehr weit zurück zum Parkplatz des Besucherbergwerks und bald sind wir wieder am Auto. Hinter uns liegt eine wunderschöne Tour, die wir wirklich absolut empfehlen können. Wem die Strecke zu lang ist, kann die Tour je nach Vorliebe wunderbar abkürzen: Fans von schmalen Pfaden und Steigen sollten die Runde entlang Lemberghütte und Silbersee gehen - verpassen dafür aber die Lemberggeister. Umgekehrt können Wanderer, wenig Spaß an Höhen und steilen Felsabbrüchen haben, sehr gut die andere Hälfte des Weges nutzen. Wir empfehlen aber, die ganze Tour zu wandern. So kommt jeder auf seine Kosten.